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“piratische Diskussion”/ Wovon Künstler ihr Einkommen beziehen?

#kunstleben

Mittwoch 6. März
19:00  h
Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1070 Wien

mit:
- Literatur: Gerhard Ruiss, IG Autoren
- Musik: Peter Paul Skrepek, Musikergilde
- darstellende Kunst: Gernot Plass, IG Freie Theater
- Film: Dagmar Streicher, ADA (http://www.ada-directors.com/)
- Kulturvertreter Piraten: Dario Lindes, Schauspieler

„Festplattenabgabe JETZT. Alles andere später!” = fatal für FilmurheberInnen

16.03.2013

Urheberrecht - Abgelehnt!

Ich hatte für „diagonale webnotizen” den unten stehenden Kommentar geschrieben, in dem ich darlege, warum die anstehende Urheberrechtsnovelle, speziell aus der Sicht der FilmurheberInnen, nicht auf die sogenannte Festplattenabgabe reduziert werden kann. Das stimmt zwar immer noch, aber ganz aktuell hat sich in der Urheberrechtsnovellen-Debatte etwas gravierend geändert: Bisher stand die gesetzliche Abgeltung für legale Privatkopie an den Urheber nicht wirklich in Frage; diskutiert wurde lediglich und leidenschaftlich, ob diese Abgeltung über einen Speichermedienaufschlag einzuholen wäre oder ob es zukunftstauglichere Methoden gäbe. In Ermangelung wirklich ausgegorener Alternativkonzepte zur sogenannten “Festplattenabgabe” hatten sich fast alle Urheber für eben diese ausgesprochen, zumal unter diesem Titel (Leermedien) in den letzten Jahren schon Geld eingeholt- aber noch nicht ausgeschüttet wurde. Jetzt scheint der Gesetzgeber die Abgeltung für Privatkopie ersatzlos streichen zu wollen. Das ist ungeheuerlich! Die meist ohnehin im Prekariat lebenden UrheberInnen müssen auf einen Teil ihres Einkommens ersatzlos(!!) verzichten, nur damit der Handel keinen Wettbewerbsnachteil hat. Das ist kein Konzept, das ist keine Politik, das ist einfach ein „Wahlschmankerl” auf Kosten der UrheberInnen.

Auch die KonsumentInnen und viele Stimmen aus der Netzkultur hatten die Festplattenabgabe abgelehnt. Wenigstens aber hatten einige von ihnen alternative Einkommenskonzepte für Urheber vorgeschlagen. Darauf dürfte der Gesetzgeber jetzt verzichten. Wirtschaften unter fairen Bedingungen? Stellt man sich anders vor!

Das neue Arbeitspapier des Bundesministeriums für Justiz kommt erst nächste Woche in Umlauf und daher ist noch nicht bekannt, wie der Entwurf andere wichtige Themen, wie beispielsweise die Reparatur der Cessio Legis vorsieht. Der Fachverband für Film- und Musikindustrie, ebenfalls WKO, wollte jedenfalls nicht dasselbe wie die FilmurheberInnen.

Es ist zu befürchten, dass die UrheberInnen in allen Belangen das Nachsehen haben könnten. Fassungslos sitzt man da und fragt sich: Das darf doch alles nicht sein, oder? Und ich bleibe dabei: eine Urheberrechtsnovelle, die in den wesentlichsten Punkten nicht in Sinne der UrheberInnen ist, ist vollinhaltlich abzulehnen.

9.März 2013 für diagonale webnotizen

„Willst du Geld oder willst du keines?” Auf diese einfache Frage wird das für und wider der Festplattenabgabe reduziert. Und klar: Wir wollen es; das Geld. Und wir brauchen es auch. Letztlich ist die „Abgeltung für legale Privatkopie” mehr als gerechtfertigt und der Geldfluss mit der Digitalisierung eingebrochen. Das muss repariert werden! Natürlich haben auch die Festplattenabgabe-Befürworter die Weitsicht, dass in der analogen Welt mit freien (Versand-) Handelsabkommen und in der digitalen Welt, in der territoriale Grenzen nicht vorgesehen sind, eine österreichweite Abgabe auf Konsumgüter (Speicherträger) nur bedingt zeitgemäß oder gar zukunftstauglich wäre. Egal! Die Einführung der Festplattenabgabe scheint die einzige Möglichkeit zu sein, an das Geld heranzukommen, das der Handel für die Festplattenabgabe in den vergangenen rechtsunsicheren Jahren beiseite gelegt hat. Deshalb heißt es: Festplattenabgabe JETZT - und alternative, zukunftstauglichere Konzepte später. Soweit sind sich alle einig. Und das ist gut so. Einigkeit ist selten. Einigkeit ist gut.

Es soll wieder Geld in die Töpfe der Verwertungsgesellschaften gespült werden und Urheber wie Leistungsberechtigte werden davon profitieren. Soweit so gut. Für die Gruppe der FilmurheberInnen kann die eilige Strategie Festplattenabgabe JETZT - alles andere SPÄTER (oder nie) jedoch dauerhafte Nachteile bedeuten. Eine Gesetzesnovelle, in dessen Entwurf die FilmurheberInnen benachteiligt sind, darf nicht schnell „durchgewunken” werden, auch dann nicht, wenn sie die von allen gewünschte Speichermedienabgabe vorsieht.

Zunächst das Thema, das ausschließlich die Filmbranche bewegt, obwohl es gerade in der Filmbranche keiner mehr hören will: Die Reparatur des §38 des österreichischen Urheberrechts, besser bekannt unter dem Stichwort „Cessio Legis”1.  Nach einem EUGH Urteil2 im letzten Februar muss der Paragraph im Sinne der Urheber repariert werden. Der derzeit bekannte Entwurf des BMJ stellt aber keineswegs eine Verbesserung für FilmurheberInnen dar. Im Gegenteil!

Der Initiative für das „Recht auf geistiges Eigentum” (Kunst hat Recht) ist es kein Anliegen, die bisher praktizierte „Enteignung” der Filmurheber gut zu reparieren, da Filmproduzenten (VAM) die Kampagne mitfinanzieren und auch der Fachverband für Film- und Musikindustrie proaktiv mitwirkt. Die kleine Gruppe der Filmurheber muss sich also allein um ihre Anliegen kümmern und der Gegenwind der Produzenten (Film Austria, FAFO, VAM, AAFP) ist mehr als rau. Es ist unverständlich warum; denn man könnte annehmen, dass keiner Schaden nähme, wenn man ein Gesetz schriebe, in dem weitgehend nur das stünde was eigentlich ohnehin Praxis ist. So könnte man annehmen, dass Filmproduzenten nichts dagegen hätten, wenn für RegisseurInnen eine Vertragsautonomie ohne Vermutung festgelegt würde, wo sie ohnehin Verträge mit RegisseurInnen abschließen. Im Sinne der von Produzenten gewünschten Rechtssicherheit wäre vernünftiger Weise auch nichts gegen eine Vermutungsregel für Filmurheber (ausgenommen Drehbuch, Musik, Regie) einzuwenden. Aber nein! ProduzentInnen argumentieren mit ihrem unternehmerischen Risiko, das zweifelsohne selbst in der geförderten Filmbranche auch vorhanden ist, aber in dieser Diskussion nicht relevant ist. Das Erstellen von kaufmännisch notwendigen Rahmenbedingungen und die Beauftragung bzw. Anstellung oder Mit-Auswahl des kreativen Personals ist in ganz Kontinentaleuropa keine urheberrechtlich relevante Tätigkeit. Darüberhinaus haben Produzenten auch in anderen Ländern ein „unternehmerisches Risiko” und es ist Ihnen dennoch möglich mit Urhebern Verträge abzuschließen ohne dass diese von vorneherein gesetzlich benachteiligt wären.

In der gesamten Diskussion muss man im Auge behalten, dass das Urheberrecht schon auch zum Schutz der UrheberInnen sein soll und nicht nur zum Schutz der Hersteller, deren Leistungsschutzrechte nicht in Frage gestellt werden. Die Angriffslust unserer Filmhersteller gegenüber den UrheberInnen ist in Europa einzigartig. Der Neid könnte einen fressen, wenn man sieht, wie in anderen Ländern vernünftig miteinander umgegangen wird und letztlich das Gemeinsame über dem Trennenden steht3.  Produzentenvertreter4 sind nun auch Sprecher der Plattform „Kunst hat Recht” und fordern für UrheberInnen das Recht „auf geistiges Eigentum”, das sie selbst den FilmurheberInnnen verwehren. Es soll nicht verschwiegen werden, dass die jüngere Generation aufstrebender ProduzentInnen die Anliegen der Filmurheber durchaus besser versteht und teilweise auch unterstützt; leider sind sie filmpolitisch weniger engagiert.

Es ist unverständlich, warum der Zeitpunkt von den Film-Verwertungsgesellschaften VAM und VDFS nicht genutzt wird, um einen gerechteren Verteilungsschlüssel unter den Verwertungsgesellschaften durchzusetzen. Im derzeitigen Verteilungsschlüssel ist der audiovisuelle Bereich arg schlechter gestellt. Das hat viel mit der heimischen Geschichte der Verwertungsgesellschaften zu tun, aber nichts mit der Realität, in der audiovisuelle Inhalte sowohl die analoge als auch die digitale Welt überschwemmen. Wieso also junktimieren unsere Verwertungsgesellschaften VAM und VDFS die Speichermedienabgabe nicht mit einem größeren Anteil der Gelder für Filmschaffende und Filmhersteller? Nun, da wäre es schnell vorbei mit der Einigkeit! AKM, LM, VAM, VDFS et al. vertagen deshalb das Streiten auf später und es ist zu erwarten, dass sich „später” an den Verteilungsschlüsseln wohl wenig ändern wird, wenn das Geld einmal da ist. Das kann nicht im Sinn der Filmurheber sein. Sie sind nicht nur gegenüber den Kollegen aus dem Bereich Musik oder Literatur schlechter gestellt, sondern müssen, auch mit den Filmherstellern (VAM) um die „Vergütungen aus Leermittelabgabe und Kabelentgelder” (mitunter gerichtlich) streiten.

Eine Verwertungsgesellschaften-Gesetzesnovelle, die mehr Transparenz, mehr Mitsprache und auch klare interne Verteilungsschlüssel vorschreiben würde, wäre im Sinne aller Bezugsberechtigten. Sie wird aber nicht sehr vehement gefordert, denn das könnte die finanzpotenten Verwertungsgesellschaften vergraulen, und die finanzieren ja letztlich die Kampagne KHR für die Festplattenabgabe. Wenn man allerdings mehr Transparenz und Mitsprache in den Verwertungsgesellschaften will, dann wird man die Verwertungsgesellschaften ein bisschen vergraulen müssen. Es ist wohl besser JETZT, als irgendwann. Ungemütliche Veränderungen sind einfach besser durchzusetzen, wenn ein Benefit in Aussicht gestellt werden kann. Und das Geld der „Speichermedienabgabe” wäre ein solcher.

Das Urhebervertragsrecht, eine Jahrzehnte lange Forderung der Urheber, ist plötzlich nicht mehr so eilig, wenn man einer Aussendung der „Initiative für das Recht auf geistiges Eigentum”/”Kunst hat Recht” glauben schenken 

will5. Warum das? Ein starkes Urhebervertragsrecht ist weder im Sinne der großen Verwertungsgesellschaften noch im Sinne der Produzenten und man will sich die Einigkeit im Kampf um die Festplattenabgabe nicht nehmen lassen. Die Kunstschaffenden, die von einem starken Urhebervertragsrecht nachhaltig profitieren könnten und ihre prekäre Einkommenssituation vielleicht verbessern könnten, verwehren sich nicht laut genug gegen diesen Aufschub und teilweise unterstützen sie die Plattform, die ihn fordert. Auch wenn ein Urhebervertragsrecht in dieser Legislaturperiode nicht wahrscheinlich erscheint, ist der selbstgewünschte Aufschub desselben doch recht unklug.

Auf die Frage: „Wollen wir die technologischen Errungenschaften für mehr Demokratisierung und eine barrierefreie Welt nutzen oder wollen wir sie für rigide Rechtsdurchsetzung mittels Überwachung aller Bürger nutzen?” entscheiden sich die meisten (Film-)Urheber klar für Ersteres. So haben sich alle Regieverbände, der Dachverband, der Kulturrat, die IG Kultur et al gegen die „Rechtsdurchsetzung mittels Datenüberwachung” ausgesprochen. Dennoch wird sie von „Kunst hat Recht” - auch im Namen der Kunstschaffenden - weiterhin gefordert. Jene Kunstschaffenden, die gegen Datenüberwachung sind, verwehren sich jedenfalls nicht laut genug dagegen um gehört zu werden. Aber warum soll man wieder einen Streit anfangen, wo man sich doch endlich einig ist? Festplattenabgabe JETZT. Alles andere später…- das kann fatal enden.

Creative Commons License
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1 Bisher: § 38. (1) Die Verwertungsrechte an gewerbsmäßig hergestellten Filmwerken stehen mit der im § 39, Absatz 4, enthaltenen Beschränkung dem Inhaber des Unternehmens (Filmhersteller) zu.
2 EUGH Urteil C-277/10 vom 9.02.2012: Die ausschließlichen Verwertungsrechte erkennt der EuGH als Bestandteil des geistigen Eigentums an, das gemäß Art. 17 Abs. 2 der Grundrechte-Charta der EU geschützt und garantiert wird. Das höchste europäische Gericht kommt zu dem Ergebnis, dass innerstaatliche Rechtsvorschriften, die diesen Grundsätzen entgegenstehen, von den Mitgliedsstaaten nicht weiter aufrechterhalten werden können. Damit ist die in Österreich geltende gesetzliche Übertragung der Verwertungsrechte auf den Produzenten (cessio legis) europarechtswidrig und unwirksam.
3 Besonders in nordischen Ländern, wie z.B. Dänemark ist die Kooperation vorbildhaft. In Frankreich ziehen RegisseurInnen und ProduzentInnen an einem Strang, was sich in einer starken Filmpolitik äußert.
4 Aussendung OTS0092 2013-02-27 von Dr. Veit Heiduschka / KHR

5 OTS0052 vom 12.01.2013 v. Gerhard Ruis / Organisationsbüro „Kunst hat Recht“

#ur21-Urheber im Dialog mit Nutzern / dst panelteilnahme

“Vibe!at”, ein Verein für Internet-Benutzer in Österreich, will mit der Informations- und Veranstaltungsreihe #ur21 - Urheberrecht für das 21 Jahrhundert , allen Beteiligten und Betroffenen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Forderungen zum Urheberrecht eine Diskussionsplattform geben.

“DAS INTERNET UND DIE ZUKUNFT DES FILMS” ist Thema am 22.11.2012 um 19:30 @ Terrassensaal d. Urania

es diskutieren Gernot Schödl (Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft VDFS),  Ulrich Müller-Uri (flimmit.com), Harald Karl (Medienanwalt, Pepelnik & Karl), Dagmar Streicher (Urheberin, Medientheoretikerin.

>>mehr zum Diskurs auf ur21

dst zum Urheberrecht auf Radio Orange / in einem Beitrag von Herbert Gnauer

Radio Dispositiv auf Orange 94.0
Ad Acta - Kunst, Recht & Internet XIV mit
Franz Schmidbauer und Dagmar Streicher

Montag 30.07.2012 10:00-11:00

ORANGE 94.0 ist im Raum Wien unter UKW 94.0 bzw. 92.7 UPC Telekabel zu hoeren, sowie weltweit im Internet unter http://o94.at/live/

Nach der Ausstrahlung wird die Sendung unter
http://no-na.net/dispositiv online archiviert.

Film im Netz - Lösungsvorschläge zur Urheberrechtsproblematik @ DIAGONALE 2012

Die Austrian Directors Association (ADA) veranstaltet in Kooperation mit der Diagonale die Podiumsdiskussion “Film im Netz - Lösungsvorschläge aus dem Netz”. Wir wollen auf produktiven Lösungsvorschlägen fokussieren und über den nationalen Tellerrand blicken.

Mit: Peter Franck (Chaos Computer Club), Eva Lichtenberger (Mitglied des Europäischen Parlaments), André Neber (FERA, Europ. Regieverband), Paul Stepan (Kunst- und Kulturökonom)

Redaktion & Moderation: Dagmar Streicher

zum Nachhören>> Film im Netz

Fotos von Diagonale /© Martin Stenzl / Herzlichen Dank

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diese Diskussion fand statt am: Sa. 24.03.2012 // 16h @ Diagonale, Kunsthaus Graz, Space 04

(weitere dst Moderationen auf der Diagonale:  ”Strategien für Arthouse Filme in einer veränderten Medien-Welt” @ Branchentreffen, Hotel Weitzer, 21.03, 11h // ” Heldinnen, mehr Frauengeschichten in Film und TV” 23.03 @ Kunsthalle Graz, Space 04 // Kinopremiere zu Ruth Maders “What is Love” 22.03, 21h @ Kiz Royal >> trailer

Urheber an den Verhandlungstisch!!! Innovative Lösungen gefragt!!

„Alles Unterstellung! Die Initiative „KUNST HAT RECHT” ist nicht für Kriminalisierung der User und auch gegen Datenüberwachung!” poltert Gerhard Ruiss, Donnerstag Abend, am Podium einer Veranstaltung der Austrian Directors’ Association im Project Space.  Ruiss könne sich überhaupt nicht erklären, wie es zu diesen Missverständnissen käme.  Und prompt folgt Freitag Früh eine Aussendung, in der dies auch schriftlich und offiziell festgehalten wird.  Ausgeblieben ist die Antwort darauf, was die Initiative in ihrem Papier mit dem Titel „Forderungen” denn dann meine, wenn es heißt:

„Die Initiative „Kunst hat Recht.” fordert daher eine klare gesetzliche Verpflichtung des Internet-Providers zur Auskunftserteilung bei Urheberrechtsverstößen.  Dazu sind Neuregelungen in folgenden Bereichen erforderlich: Datenspeicherung…[...]…

Warnmodell:

Ein Warnmodell soll zur Aufklärung dienen, dass Urheberrechtsverletzungen vorliegen. Erst wenn es nach zweimaliger Information erneut zu einem Verstoß kommt, soll der Rechtsweg beschritten werden. [...]

Verantwortung der Provider:

Internet Serviceprovidern kommt eine wesentliche Funktion bei der Zurverfügungstellung von Inhalten („content”) über das Internet zu. Als „Vermittler” gemäß § 81 Abs 1a UrhG sind sie unter gewissen Umständen verpflichtet, urheberrechtswidrige Inhalte nicht mehr an ihre Nutzer zu übermitteln. …”

Nachdem sich dies technisch nur durch eine inhaltliche Auswertung des gesamten Internetverkehrs realisieren lässt, also ein Horrorszenario für eine moderne Demokratie darstellt, sind Fragen wohl angebracht und etwaige Missverständnisse aufzuklären.  Aber auch Freitag Abend konnte die kurzfristig entsandte „KUNST HAT RECHT” Repräsentantin, Tatiana Lecomte, am Podium der Esel/Meta-Mart Veranstaltung, diesen und andere Punkte nicht aufklären.  Urheber, die aufgefordert wurden die Initiative zu unterstützen, sind verwirrt.  Zumal Sandra Csillag (Literar mechana) am 26.01 bei einer EuXXl Veranstaltung zum gleichen Thema anschaulich erklärt hatte: Man wolle zwar nicht kriminalisieren aber es müsse eine Art Organstrafen für User geben, wie eben auf der Autobahn, wenn man zu schnell fahre.  Ein anschauliches Beispiel, weil niemand Organstrafen bezahlen müsste oder könnte, wären da nicht Radar-Fallen.  Also doch Überwachung? Nein, das ist ja jetzt klar gestellt: Das nicht!  Einige der 2000 Urheber, die die Aktion in einer Reaktion auf E-mails ihrer Verwertungsgesellschaften oder anderer Initiatoren unterschrieben haben, sind verunsichert. Was haben sie unterschrieben?  Die Initiative fühlt sich ungerechtfertigt angegriffen, man werfe alles mit ACTA zusammen, das zeitgleiche Auftreten wäre nur unbeabsichtigtes Pech.  So ungerechtfertigt sind die Angriffe, die Großteils eigentlich nur als Fragen verstanden werden wollen, aber nicht.  Das schwammig formulierte Programm inklusive des misslungenen Folders der Agentur „The Skills Group” ließ den Interpretationsspielraum nur dahingehend offen, dass es sich möglicher Weise um ähnliche Forderungen, wie sie teilweise auch ACTA vorsieht, handeln könnte.  Wenn nicht, was sonst?

Weitgehend konform gingen die Anwesenden bei allen Veranstaltungen zur geforderten Festplattenabgabe.  Wenn auch die von der Austro Mechana festgelegte Höhe der Abgeltung umstritten ist. Derzeit läuft ein neuerliches Gerichtsverfahren über die Festplattenabgabe, die eigentlich seit 1.Oktober 2011 in Österreich eingehoben werden sollte, aber nach einer Klage von Hewlett Packard (stellvertretend für heimische Computerhersteller, Importeure und Händler) im rechtsfreien Raum schwebt.  Die Austro Mechana hat schon 2005 (pauschale Urheberrechtsabgabe auf Festplatten) und 2009 (Reprografieabgabe) vor dem OGH verloren.  Der Forderung nach einer Reform der bestehenden Vergütungsregelung kann man sich anschließen.  Sie ist aber auch nicht des Rätsels dauerhafte Lösung.

„Die Initiative „Kunst hat Recht.” fordert daher ein klares Bekenntnis der Politik zum Recht auf geistiges Eigentum und die Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen zur Stärkung des Urheberrechts.”

In welchen Punkten will die Initiative das existente Urheberrecht stärken?  Diese Forderung wird im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien aufgestellt.  Daher die naheliegende Frage: Bezieht man sich auf Zitate? Seit langem wird im Zusammenhang mit Zitaten eher eine Lockerung des Urheberrechts gefordert.   Aber dieser Bezug wird nicht angegeben und ich will ihn auch nicht unterstellen.

Eigentlich wolle die Initiative nur das Bewusstsein ändern, eine Kampagne starten, die darauf aufmerksam machen sollte, dass Urheber um ihr Einkommen geprellt werden, wenn man sich illegal ihrer Werke bediene, versuchen manche Initiatoren und Partner jetzt zu beschwichtigen.  Das klingt harmlos, wären nicht eindeutig politische Forderungen und Forderungen nach Gesetzesänderungen in den „Werbematerialien” abgedruckt,- und das geht weit über eine harmoniebedürftige Aufklärungskampagne hinaus.  Die Initiative suggeriert, dass die Aktion von Künstlern ausgegangen wäre.  Richtig ist, dass sie von Verwertungsgesellschaften und Funktionären verschiedener Interessengemeinschaften (teilweise auch Künstler) ausgegangen ist.  Künstler und andere Urheber wurden dann um eine unterstützende Unterschrift gebeten.  Einfach, schnell, diskussionslos.  Manche haben vorschnell unterschrieben, wie sie jetzt selbst sagen. Andere stehen voll dahinter, können aber auch nicht erklären wofür die Initiative jetzt genau steht.   Es scheint, als wären sich die Initiatoren dieser sehr breit aufgestellten Plattform selbst uneinig und als erstarrten sie nun angesichts der Forderung nach Präzision in wilder Selbstverteidigung.   Man kann „KUNST HAT RECHT” den Vorwurf nicht ersparen,  ohne Einigkeit über die Art ihrer Initiative und ohne genauer Festlegung der Forderungen in die Öffentlichkeit gegangen zu sein und dabei 2000 Künstlerunterschriften zur Untermauerung ihrer schwammigen, uneinigen Initiative vorgeschoben zu haben.  So funktioniert Politik? Ja genauso funktioniert Politik überall.  Und genau dieser Politik sind wir überdrüssig.

Es herrscht, soviel kann man nach den vielen Veranstaltungen der vergangenen Tage sagen, allgemeiner Konsens darüber, dass Urheber für ihre Werke entgolten werden sollen.  Und kurioser Weise kommen Vorschläge für eine Lösung des Problems eher aus der Netzgemeinde als aus den Reihen der Urheber und Künstler, die ihre Verwertungsstrukturen wenig oder gar nicht in Frage stellen obgleich sie von ihren Verwertungsdienstleistern (Produzenten, Verleiher, Verlage, Verwertungsgesellschaften etc.) nicht immer gut behandelt werden und die Verteilung der Gelder in den langen Verwertungsketten eher intransparent und kompliziert ist.  Es erscheint mir, dass sich Urheber und ihr Publikum (die User) wesentlich schneller einigen könnten, wenn den Verwertern das Mandat für stellvertretende Verhandlungen entzogen würde.

Abschließend möchte ich verunsicherte Unterstützerinnen der Initiative „KUNST HAT RECHT” dezent darauf hinweisen, dass es durchaus möglich und vielmehr legitim ist, die Unterschrift wieder zurückzuziehen, wenigstens bis die Ziele der Initiative konkret erkennbar sind.

d.st. 19.02.2012

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Eine Konfrontation zu ACTA und “Kunst hat Recht”

Es ist hoch an der Zeit, dass sich die Urheber an dieser Diskussion aktiv beteiligen.

Die Austrian Directors’ Association lud am 16.02. zu einer Konfrontation in den Project Space: Urheberrecht im Netz. Am Podium fanden sich Unterstützer und Gegner der Aktion “Kunst hat Recht”, sowie Vertreter der Netzkultur und Juristen.

Gerhard Ruiss (IG Autorinnen und Autoren), Peter Frank (Chaos Computer Club), Tina Leisch (Regisseurin), Dagmar Streicher (Regisseurin/Medienkünstlerin), Kurt Mayer (Produzent/Regisseur), Thomas Höhne (Medienanwalt) u.a.

Moderation: Peter Menasse

Urheber an den Verhandlungstisch!! Innovative Lösungen gefragt!! >> Statement dst zum Thema